Suche
  • Elisabeth Redel

Freelancer vs. Festanstellung

Ist ja wohl ganz klar, was hier gewinnt, oder?!? Hmmm... oder? Um diese Frage beantworten zu können, sollten wir uns diese Zwei einmal genauer anschauen.



Ich habe mir diese Frage schon oft gestellt und bin gerade wieder dabei, darüber nachzudenken. Inzwischen bin ich sogar der Meinung, dass es absolut "normal" ist, sich als kreativer Mensch diese Frage immer wieder zu stellen UND (und was noch viel wichtiger ist) sich diese Beiden nicht gegenseitig ausschließen müssen.


Wie das Wort "Freelancer" schon sagt, ist man "frei" in dem was man tut. Das heißt aber nicht unbedingt, dass man nur Freiheiten hat.


Arbeitszeiten und Tagesstruktur


Natürlich kann ich mir als Freelancer meine Arbeitszeit oft freier einteilen, als in einer Festanstellung, aber eine Deadline gibt es bei den meisten Projekten ja dennoch. Mir gelingt es sehr gut, mir meine Zeit selbst einzuteilen. Es gibt viele, die diese lockeren Strukturen ganz und gar nicht mögen oder aber schnell bemerken, dass dieses eigenen Einteilen der Arbeitszeit schnell dazu führt, dass sie sich verzetteln.


Ich plane gerne und haben quasi eine Art "Stundenplan" für meine Arbeitszeit, den ich super anpassen kann. Das kann ich auch nur jedem Freelancer ans Herz legen. Setzt euch morgens (oder wann auch immer ihr anfangt zu arbeiten) an einen Tisch und schreibt euch auf, was an diesem Tag alles zu erledigen ist. Setzt euch realistische Tagesziele und arbeiten diese Punkt für Punkt ab. Am Besten funktioniert für mich das Bullet Journal (dazu werde ich euch auch mal einen eigenen Eintrag hier verfassen).


Bei einer Anstellung hat man ja schon eine feste Tagesstruktur und das gibt Sicherheit. Je nach Arbeit und Firmenstruktur kann man sich selbst ja auch immer noch vieles frei einteilen. Wichtig ist, dass hier offen kommuniziert wird, denn schließlich müssen sich die Kollegen ja auch auf euch verlassen können. Sprecht euch immer mit den Anderen ab und denkt daran hier nicht einfach allein vor euch hinzuwursteln ;)


Aufgabenbereiche


Kennt ihr diesen albernen Spruch "Wer selbstständig ist, arbeitet selbst und ständig" ? Ja, ich kann ihn auch schon nicht mehr hören. Ich dachte immer: "Oh ja, das stimmt!" und jetzt denke ich: "Aber MUSS das stimmen?" - Ein ganz klares "Jein"!


Als Freelancer kommen schon echt viele Aufgaben dazu, die ihr vermutlich noch nie gemacht habt. Vielleicht hattet ihr sie nicht einmal auf dem Schirm. Dann gibt es mehrere Möglichkeiten damit umzugehen:


- ignorieren


Das ist keine gute Idee! Je nachdem was es ist, könnt ihr euch damit sogar in Teufelsküche bringen. Gerade wenn es um rechtliche Absicherungen oder die Steuererklärung und so etwas geht. ABER das heißt ja auch nicht, dass ihr das selbst oder alleine machen müsst. Dafür gibt es nämlich Fachleute und die können euch beraten. In jedem Bundesland gibt es beispielsweise gute Angebote von der IHK für Gründer und Selbstständige.


- etwas Neues lernen


Hey, das kann ja tatsächlich Spaß machen. Setzt euch erstmal mit einem neuen Themengebiet auseinander. Ich finde einen halben Tag sollte man mindestens investieren um dann zu entscheiden, ob das was für einen ist oder eher nicht. Ein Beispiel: Ich bin immer häufiger darauf gestoßen, dass mehr und mehr Kreative TikTok für sich nutzen. Also habe ich mir die App installiert und einmal angeschaut. Allerdings habe ich da auch schnell gemerkt, dass diese App nichts für mich ist und ich dort nicht noch zusätzlich Content produzieren möchte - dafür habe ich aber festgestellt, dass Zeichenstreams auf twitch total viel Spaß machen können und nicht allzu viel Mehraufwand für mich bedeuten (höchsten Überwindung).


- zurückstellen oder auslagern


Manche Aufgaben liegen einem einfach nicht. Man setzt sich zwar damit auseinander, aber entweder macht es keinen Spaß oder aber das Ergebnis erfüllt die eigenen Ansprüche nicht. Ich empfehle Jedem sich die Frage zu stellen, ob man das auch wirklich "braucht". Manchmal reicht vielleicht auch nur eine "kleine" Version davon oder man stellt das Ganze zurück, weil ein anderes Projekt gerade wichtiger ist. Bei manchen Dingen ist es auch total sinnvoll, diese einfach auszulagern. Auch hier ein Beispiel: Meine Homepage ist einfach nur mit einem Baukastensystem sehr schlicht zusammen gebastelt. Sie erfüllt vorläufig ihren Zweck - wenn ich mehr Zeit habe kann ich mich immer noch tiefer damit auseinander setzen und diese überarbeiten - oder aber, wenn ich mehr brauche, gebe ich sie an einen richtigen Webdesigner in Auftrag.


Ist man irgendwo fest angestellt, ist der eigene Aufgabenbereich oft klarer definiert. Das tolle ist es aber auch, dass man eben kein Einzelkämpfer ist. Kommt man mal nicht weiter, kann man die Kollegen nach ihrer Meinung fragen und sich austauschen. Manche Kollegen haben in einem Bereich vielleicht auch einfach mehr Erfahrung als man selbst. Oder aber (und das finde ich immer ganz besonders schön) man kann vielleicht selbst Jemandem bei etwas helfen. Gerade dieser Austausch ist etwas, dass ich in meinen Freelancer Zeiten immer sehr vermisse. Ich hatte auch schon das Glück für einen Arbeitgeber arbeiten zu dürfen, bei dem es regelmäßig kleinere Weiterbildungen gab.


Aufträge


Was soll ich sagen?! Als Freelancer kann das unfassbar nervig und anstrengend sein. Das ist total von den Kunden abhängig. Es gibt Auftraggeber mit denen man sehr professionell und gut zusammen arbeiten kann und es gibt welche, die einfach nur eine Katastrophe sind. Hier habe ich schon alles erlebt. Ich kann euch hier folgendes empfehlen:


- sichert euch mit AGBs ab


Je nachdem aus welchem Bereich ihr kommt, findet ihr hier online tolle Hilfestellungen. Oder aber, ihr lasst euch auch hier beraten. AGBs sichern euch ab. Außerdem macht es die Kommunikation mit schwierigen Kunden einfacher und weniger anstrengend.


- verkauft euch nicht unter Wert


Wenn ich höre was viele Kollegen für Deals eingehen, damit ihr Herzensprojekt veröffentlicht wird oder sie einen Auftrag bekommen, könnte ich manchmal anfangen zu heulen. Macht das nicht! Lasst euch fair bezahlen! Ich weiß, das tut echt weh einen Auftrag abzusagen, aber ihr macht damit die Preisgestaltung eurer Branche total kaputt und... fühlt ihr euch und eure Arbeit damit überhaupt noch wertgeschätzt?!


- bleibt euch selbst treu


Egal wie toll ein Auftrag und wie gut eine Bezahlung ist, bitte bleibt euch selbst und euren Werten treu. Verkauft euch nicht für rassistischen, sexistischen oder hassschürenden Müll. Habt den Mut hier klar "Nein" zu sagen. Ich kann aus eigener Erfahrung berichten, wie gut das tut. Versucht durch eure Arbeit unsere Welt zu einem besseren Ort zu machen und nicht umgekehrt <3


Da ich nicht gerne Kundenakquise betreibe, ist hier eine Festanstellung ganz klar angenehmer für mich. Ich mag es, wenn ich auch komplett im Design versinken kann, ohne noch groß Kundenkommunikation mit einzuplanen. Ich kann mich dann auch oft besser auf meine Arbeit konzentrieren und werde nicht so aus dem kreativen Prozess herausgerissen. Wenn ihr allerdings gerne mit den Kunden persönlich zusammenarbeitet, dann sprecht mit eurem Vorgesetzten, ob ihr das vielleicht übernehmen dürft. Manchmal erleichtert es auch die Abstimmung enorm, wenn der Kunde dem Designer Änderungswünsche direkt mitteilen kann. Das kann total viel Zeit sparen. Und es kann auch sehr schön sein, positives Feedback von den Kunden direkt zu bekommen.


Mein persönliches Fazit


Wenn ihr die Möglichkeit dazu habt, überlegt doch einfach, ob ihr nicht einfach Beides haben könnt. Achtet darauf, dass sich die Jobs nicht gegenseitig "ausbremsen". Ihr habt eine Verantwortung gegenüber eurem Arbeitgeber, dass ihr eure Aufgaben dort gewissenhaft erledigt. (Es kann sogar in eurem Arbeitsvertrag stehen, dass ihr euren Arbeitgeber über eine selbstständige Tätigkeit informieren müsst!)


Ihr geht aber auch euch selbst, euren Kunden und euren Projekten gegenüber eine Verantwortung ein. Auch hier wollt ihr ja schließlich gute Arbeit abliefern und dennoch Zeit für eure Familie, Freunde und Hobbies haben. Überlegt euch also vorher, wie ihr das alles unter einen Hut bekommt. Informiert euch darüber, was es zu beachten gibt. Auch da hilft euch die IHK (gibt da ganz tolle Gründerinfopakete).



Komplett frei zu sein beim arbeiten, kann unheimlich schön und aufregend sein... und viele Sorgen und Ängste mit sich bringen. Es kann Spaß machen, sich immer um etwas kümmern zu müssen, etwas Neues zu lernen und am Ball zu bleiben... und sehr viel Kraft kosten.


Deshalb weiß ich den Rückhalt und die Sicherheit einer festen Beschäftigung zu schätzen. Eine Firma, wo ich gerne hingehe zum arbeiten. Eine Stelle, wo ich gute Arbeit abliefern kann. Ein Arbeitgeber, der meine Arbeit schätzt. Kollegen, die mich als Mensch schätzen.


Für mich ist eine Kombination aus Beidem, deshalb das Beste. Wichtig ist aber, dass ihr das findet, was am Besten zu euch passt. Und wenn ihr das wisst, ist es auch leichter, danach zu suchen.


Gebt nicht auf und seid mutig

Eure Liss


11 Ansichten0 Kommentare

Aktuelle Beiträge

Alle ansehen